Kurz gesagt: Mit dem Investitionsabzugsbetrag ziehen Sie bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten einer geplanten Investition vorab vom Gewinn ab und mindern damit den steuerpflichtigen Gewinn des Abzugsjahres. Voraussetzung sind ein Gewinn von höchstens 200.000 Euro im Abzugsjahr, gerechnet ohne den Abzugsbetrag selbst, und die Anschaffung eines beweglichen Wirtschaftsguts innerhalb von drei Wirtschaftsjahren (§ 7g Abs. 1 und 3 EStG).

Dieser Beitrag erklärt die Systematik des Investitionsabzugsbetrags allgemein verständlich. Er ist als Orientierung für Ihr Gespräch mit Ihrem Steuerberater gedacht und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. Wir sind Vermittler von Photovoltaik-Freiflächenanlagen und keine Steuerberatungsgesellschaft. Was wir gern tun: Wir stellen Ihrem Steuerberater alle technischen und wirtschaftlichen Unterlagen zur Anlage so aufbereitet zur Verfügung, dass er Ihre Situation prüfen kann.

Rechtsstand: 10. August 2026.

Luftaufnahme der fertiggestellten Freiflächen-Photovoltaikanlage Üttfeld in der Eifel mit Modulreihen auf einer Waldlichtung
Solarpark Üttfeld, 5.340 kWp, Rheinland-Pfalz

Steuerersparnis oder nur Steuerstundung?

Diese Frage wird selten ehrlich beantwortet. Der Investitionsabzugsbetrag ist in erster Linie eine Steuerstundung, keine dauerhafte Ersparnis: Was Sie heute vom Gewinn abziehen, rechnen Sie im Jahr der Investition wieder hinzu.

Der wirtschaftliche Vorteil entsteht an anderer Stelle. Sie verschieben die Steuerzahlung um bis zu drei Jahre und behalten die Liquidität so lange im Unternehmen.

Wie der Abzug im Investitionsjahr wieder aufgelöst wird

Der Abzug im Bildungsjahr ist nur die halbe Bewegung. Im Wirtschaftsjahr der Anschaffung folgt die Gegenbuchung.

Bis zu 50 Prozent der tatsächlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten werden dem Gewinn wieder hinzugerechnet, höchstens jedoch der Betrag, der zuvor abgezogen und noch nicht hinzugerechnet wurde (§ 7g Abs. 2 Satz 1 EStG). Im selben Zug dürfen die Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts um bis zu denselben Betrag gewinnmindernd herabgesetzt werden (§ 7g Abs. 2 Satz 2 EStG). Beide Bewegungen heben sich im Investitionsjahr rechnerisch weitgehend auf.

Der Preis dafür fällt später an. Wer die Anschaffungskosten herabsetzt, mindert damit auch die Bemessungsgrundlage der Abschreibung. Über die Nutzungsdauer der Anlage stehen dann geringere Abschreibungsbeträge zur Verfügung. Genau deshalb ist der Investitionsabzugsbetrag eine Verlagerung im Zeitablauf und keine zusätzliche Betriebsausgabe.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Die Hinzurechnung ist ein Wahlrecht, keine Automatik. Das Gesetz sagt, dass hinzugerechnet werden kann, nicht dass hinzugerechnet werden muss (§ 7g Abs. 2 Satz 1 EStG). Unterbleibt sie, greift nach Ablauf der Frist die Rückabwicklung nach § 7g Abs. 3 EStG.

Die sechs Kernzahlen auf einen Blick

Was Wert Fundstelle
Abzug von den voraussichtlichen Anschaffungskosten bis zu 50 Prozent § 7g Abs. 1 Satz 1 EStG
Höchstbetrag je Betrieb, Summe über vier Wirtschaftsjahre 200.000 Euro § 7g Abs. 1 Satz 4 EStG
Gewinngrenze im Abzugsjahr, gerechnet ohne den Abzugsbetrag 200.000 Euro § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG
Investitionszeitraum 3 Wirtschaftsjahre § 7g Abs. 3 Satz 1 EStG
Nutzung des Wirtschaftsguts ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich § 7g Abs. 1 Satz 1 EStG
Sonderabschreibung zusätzlich bis zu 40 Prozent § 7g Abs. 5 EStG

Wer darf einen Investitionsabzugsbetrag bilden?

Der Investitionsabzugsbetrag steht nicht jedem offen. Das Gesetz nennt vier Bedingungen, und sie müssen zusammen erfüllt sein.

Dazu kommt eine formale Pflicht: Die Summen der Abzugs- und Hinzurechnungsbeträge sind nach Betrieben getrennt und elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 EStG).

Ob Sie diese Voraussetzungen erfüllen, beurteilt Ihr Steuerberater. Wir liefern die Anlagendaten, die er dafür braucht.

Der Abzug hängt am Betrieb, nicht an der Person

Das Gesetz knüpft den Investitionsabzugsbetrag durchgehend an den einzelnen Betrieb, nicht an den Steuerpflichtigen als Person. Diese Bindung ist an drei Stellen im Wortlaut ablesbar.

Der Höchstbetrag von 200.000 Euro gilt je Betrieb (§ 7g Abs. 1 Satz 4 EStG). Er ist außerdem kein Jahresbetrag. Maßgeblich ist die Summe aus dem Abzugsjahr und den drei vorangegangenen Wirtschaftsjahren, soweit diese Beträge noch nicht hinzugerechnet oder rückgängig gemacht wurden. Wer in vier aufeinanderfolgenden Jahren je 50.000 Euro abzieht, hat den Rahmen ausgeschöpft.

Die Meldung an das Finanzamt erfolgt nach Betrieben getrennt (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 EStG).

Bei Personengesellschaften und Gemeinschaften tritt die Gesellschaft an die Stelle des Steuerpflichtigen. Die spätere Hinzurechnung muss in demselben Vermögensbereich erfolgen, in dem der Abzug vorgenommen wurde (§ 7g Abs. 7 EStG).

Warum das für Sie wichtig ist: In der Branche wird häufig damit geworben, ein im bestehenden Unternehmen gebildeter Investitionsabzugsbetrag lasse sich durch den Kauf einer Photovoltaikanlage in einem eigens dafür gegründeten Gewerbebetrieb auflösen. Ob das im Einzelfall trägt, ist eine steuerliche Beurteilung, die wir weder treffen dürfen noch treffen wollen. Legen Sie genau diese Frage Ihrem Steuerberater vor, bevor Sie einen Kaufvertrag zeichnen. Sie ist die wichtigste Frage dieser Seite.

Freifläche oder Dachanlage

Entscheidend ist die Gebäudebindung, nicht die Größe

Für kleine Photovoltaikanlagen gilt seit 2022 eine Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG. Wo die Einnahmen steuerfrei sind, ist auch ein Investitionsabzugsbetrag ausgeschlossen. Genau hier entsteht das häufigste Missverständnis.

Entscheidend ist nicht die Größe der Anlage, sondern die Gebäudebindung. Die Befreiung erfasst ausschließlich Anlagen, die sich auf, an oder in Gebäuden befinden, und auch dort nur bis 30 kW (peak) je Wohn- oder Gewerbeeinheit und höchstens 100 kW (peak) je Steuerpflichtigem.

Luftaufnahme der Freiflächenanlage Rödinghausen. Die Photovoltaikmodule stehen auf dem Boden neben Wohnhäusern mit unbebauten Dächern
Freiflächenanlage Rödinghausen. Die Module stehen auf dem Boden, nicht auf den Dächern daneben

„Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind nicht Gegenstand dieser Steuerbefreiung.“

Bundesministerium der Finanzen, Schreiben vom 17.07.2023

Freiflächenanlagen fallen also in jeder Größe aus der Befreiung heraus. Der Ausschlussgrund für den Investitionsabzugsbetrag entfällt damit. Ob ein Abzugsbetrag in Ihrem Fall tatsächlich gebildet werden kann, hängt zusätzlich von den übrigen Voraussetzungen des § 7g EStG ab. Das prüft Ihr Steuerberater.

Umsatzsteuer und BFH-Verfahren

Der Nullsteuersatz gilt hier nicht

Seit 2023 gilt für die Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen unter bestimmten Voraussetzungen ein Umsatzsteuersatz von null Prozent (§ 12 Abs. 3 UStG). Die Voraussetzung ist auch hier die Gebäudebindung: Begünstigt sind Anlagen auf oder in der Nähe von Privatwohnungen, Wohnungen sowie öffentlichen und anderen Gebäuden, die für dem Gemeinwohl dienende Tätigkeiten genutzt werden (§ 12 Abs. 3 Nr. 1 Satz 1 UStG). Als erfüllt gelten diese Voraussetzungen, wenn die installierte Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister nicht mehr als 30 kW (peak) beträgt (§ 12 Abs. 3 Nr. 1 Satz 2 UStG).

Eine Freiflächenanlage erfüllt das nicht. Auf den Kaufpreis fallen die üblichen 19 Prozent Umsatzsteuer an (§ 12 Abs. 1 UStG). Wer zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, bekommt sie erstattet (§ 15 UStG). Bis dahin muss sie finanziert werden, und im Anschaffungsjahr ist das ein erheblicher Betrag. Wer bislang nur Ratgeber zur Dach-Photovoltaik gelesen hat, erwartet an dieser Stelle das Falsche.

Warum das BFH-Verfahren Freiflächenanlagen nicht betrifft

Seit der Einführung der Steuerbefreiung für kleine Photovoltaikanlagen wird vor den Finanzgerichten darüber gestritten, wie sie mit dem Investitionsabzugsbetrag zusammenwirkt. Der Bundesfinanzhof hat sich dazu mit Beschluss vom 15. Oktober 2024 geäußert, Aktenzeichen III B 24/24.

Für die Einordnung ist der Streitfall entscheidend. Es ging um eine Anlage mit 11,2 kW (peak) auf einem Gebäude. Damit lag sie im Anwendungsbereich der Steuerbefreiung des § 3 Nr. 72 EStG, und genau daraus ergab sich die Streitfrage.

Eine Freiflächenanlage steht außerhalb dieses Anwendungsbereichs, weil § 3 Nr. 72 EStG die Anlage an ein Gebäude bindet. Das Bundesministerium der Finanzen hat das in seinem Schreiben vom 17. Juli 2023 ausdrücklich festgehalten. Die Frage, um die das Verfahren kreist, stellt sich hier deshalb nicht.

Wenn Ihnen jemand dieses Verfahren als Risiko für ein Freiflächenprojekt vorhält, lohnt der Blick in den Sachverhalt.

Nicht der ganze Kaufpreis ist begünstigt

Das Gesetz begünstigt abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG). Ein Solarpark ist aber kein einzelnes Wirtschaftsgut, sondern eine Anlage aus Bestandteilen, die steuerlich nicht alle gleich behandelt werden.

Als bewegliche Wirtschaftsgüter kommen typischerweise die Bauteile in Betracht, die die Stromerzeugung ausmachen: Module, Unterkonstruktion, Wechselrichter und die Verkabelung innerhalb der Anlage. Für Positionen, die dem Grund und Boden zuzuordnen oder fest mit ihm verbunden sind, ist die Einordnung nicht ohne Weiteres eindeutig. Dazu gehören Zuwegung, Zaunanlage, Kabelgräben, Fundamente und je nach Ausführung die Übergabestation.

Was daraus folgt: Der Anteil des Kaufpreises, der die Bemessungsgrundlage des Investitionsabzugsbetrags bildet, ist kleiner als der Gesamtpreis. Wer mit 50 Prozent des Gesamtkaufpreises rechnet, rechnet zu hoch.

Eine belastbare pauschale Quote gibt es nicht, und wir nennen deshalb auch keine. Die Zuordnung gehört in die Kaufpreiskalkulation des konkreten Projekts und muss von Ihrem Steuerberater beurteilt werden. Was wir liefern, ist die technische Gliederung: die Positionen des Angebots einzeln aufgeschlüsselt, damit er sie zuordnen kann.

Sonderabschreibung und degressive Abschreibung

Der Investitionsabzugsbetrag steht nicht allein. Zwei weitere Instrumente greifen im Jahr der Anschaffung, und beide werden im Markt regelmäßig falsch beziffert.

Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG

Die Sonderabschreibung beträgt bis zu 40 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Sie ist nicht an ein einzelnes Jahr gebunden, sondern lässt sich über das Jahr der Anschaffung und die vier folgenden Jahre verteilen. Der Satz von 40 Prozent gilt für Anschaffungen nach dem 31. Dezember 2023, davor waren es 20 Prozent. Mehrere gut sichtbare Rechner und Ratgeber nennen bis heute den alten Wert.

Die Voraussetzungen stehen in § 7g Abs. 6 EStG und sind nicht deckungsgleich mit denen des Abzugsbetrags. Der wichtigste Unterschied: Die Gewinngrenze von 200.000 Euro bezieht sich hier auf das Wirtschaftsjahr, das der Anschaffung vorangeht (§ 7g Abs. 6 Nr. 1 EStG), beim Abzugsbetrag dagegen auf das Abzugsjahr selbst. Ein gutes Jahr vor der Investition kann die Sonderabschreibung also kosten, ohne den Abzugsbetrag zu berühren.

Degressive Abschreibung nach § 7 Abs. 2 EStG

Die degressive Abschreibung wird häufig mit 30 Prozent beworben. Das ist nur die obere Kappungsgrenze. Der Satz darf höchstens das Dreifache der linearen Abschreibung betragen und 30 Prozent nicht übersteigen.

Für eine Photovoltaikanlage mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 20 Jahren nach der amtlichen AfA-Tabelle liegt die lineare Abschreibung bei 5 Prozent. Das Dreifache davon sind 15 Prozent, nicht 30.

Die degressive Abschreibung ist außerdem nur für Anschaffungen innerhalb gesetzlich befristeter Zeitfenster zulässig. Ob Ihre Anschaffung in ein solches Fenster fällt, klärt Ihr Steuerberater.

Bis wann müssen Sie investieren?

Der Investitionsabzugsbetrag ist an eine harte Frist gebunden: Die Investition muss bis zum Ende des dritten auf das Abzugsjahr folgenden Wirtschaftsjahres erfolgt sein (§ 7g Abs. 3 Satz 1 EStG). Wird sie verpasst, wird der Abzug rückwirkend im Bildungsjahr aufgelöst, der Steuerbescheid geändert und der Nachzahlungsbetrag verzinst.

Abzugsbetrag gebildet im Wirtschaftsjahr Letzter Tag der Investitionsfrist
2023 31.12.2026
2024 31.12.2027
2025 31.12.2028
2026 31.12.2029

Was passiert, wenn nicht rechtzeitig investiert wird

Wird der Abzugsbetrag nicht bis zum Ende des dritten auf das Abzugsjahr folgenden Wirtschaftsjahres hinzugerechnet, ist der Abzug rückgängig zu machen (§ 7g Abs. 3 Satz 1 EStG). Die Folgen sind härter, als die meisten Darstellungen vermuten lassen.

Der Steuerbescheid wird geändert

Der Steuerbescheid des Abzugsjahres wird geändert. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn er längst bestandskräftig ist. Die Festsetzungsfrist endet insoweit erst später (§ 7g Abs. 3 Satz 2 und 3 EStG).

Ein abgeschlossenes Jahr ist in dieser Konstellation also nicht abgeschlossen.

Die Nachzahlung wird verzinst

Die Nachzahlung wird verzinst, und zwar früher als sonst. Im Normalfall verschiebt § 233a Abs. 2a AO den Zinslauf bei rückwirkenden Ereignissen nach hinten. Für den Investitionsabzugsbetrag ist diese Vorschrift ausdrücklich nicht anzuwenden (§ 7g Abs. 3 Satz 4 EStG).

Der Zinslauf beginnt deshalb bereits 15 Monate nach Ablauf des Abzugsjahres (§ 233a Abs. 2 Satz 1 AO). Für einen im Jahr 2023 gebildeten Abzugsbetrag läuft er also seit dem 1. April 2025, lange bevor überhaupt feststeht, ob investiert wird.

0,15 Prozent je Monat, also 1,8 Prozent im Jahr

So hoch ist der Zinssatz nach § 238 Abs. 1a AO. Mehrere gut sichtbare Ratgeberseiten nennen an dieser Stelle weiterhin 6 Prozent. Das war der Satz vor der Neuregelung. Den für Ihr Jahr maßgeblichen Satz nennt Ihnen Ihr Steuerberater.

Wenn ein Projekt aus dem Zeitplan läuft

Die Drei-Jahres-Frist ist die eine Seite. Die andere ist die Frage, was tatsächlich passiert, wenn ein Projekt sie zu verfehlen droht.

Der Auslöser ist nicht der Netzanschluss, sondern die Anschaffung. Steuerlich gilt als Zeitpunkt der Anschaffung der Zeitpunkt der Lieferung. Umfasst ein Kaufvertrag über ein Wirtschaftsgut auch dessen Montage durch den Verkäufer, ist das Wirtschaftsgut erst mit Beendigung der Montage geliefert (§ 9a EStDV). Bei einer schlüsselfertig erworbenen Freiflächenanlage hängt der maßgebliche Zeitpunkt also am Bauablauf, nicht am Datum der Vertragsunterschrift.

Daraus ergeben sich drei Fragen, die vor der Zeichnung beantwortet sein sollten und die Sie jedem Anbieter stellen können, uns eingeschlossen.

Welches Ereignis löst nach dem Vertrag die Lieferung aus, und wer stellt fest, dass es eingetreten ist? Ohne eine eindeutige Regelung ist der steuerlich maßgebliche Zeitpunkt im Streitfall offen.

Was geschieht, wenn dieses Ereignis erst nach dem Stichtag eintritt? Gibt es eine Vertragsstrafe, ein Rücktrittsrecht, eine Rückabwicklung? Wenn der Vertrag dazu schweigt, gibt es keine.

Wer trägt die Zinslast, wenn der Abzugsbetrag deshalb rückgängig gemacht werden muss (§ 7g Abs. 3 EStG)? Steuerlich trifft sie den Investor. Ob und in welchem Umfang sie vertraglich weitergereicht ist, steht im Kaufvertrag und nirgendwo sonst.

Lassen Sie sich diese Klausel zeigen, bevor Sie unterschreiben, nicht danach.

Die fünf Fehler, die den Abzug kosten

Fünf Punkte entscheiden darüber, ob der Abzug hält. Alle fünf lassen sich vor der Bildung klären.

Der falsche Betrieb

Der Abzugsbetrag gilt je Betrieb, und die Hinzurechnung muss in demselben Vermögensbereich erfolgen wie der Abzug (§ 7g Abs. 1 Satz 4 und Abs. 7 EStG). Wird in einem anderen Betrieb investiert als dort, wo abgezogen wurde, ist das keine Formalie.

Die Gewinngrenze knapp verfehlt

Sie beträgt 200.000 Euro und wird ohne Berücksichtigung des Abzugsbetrags gerechnet (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG). Wer die Grenze mit dem Abzug selbst unterschreiten will, hat sie überschritten.

Die Nutzung nach der Anschaffung

Das Wirtschaftsgut muss bis zum Ende des auf die Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt oder vermietet werden. Andernfalls sind Abzug und Hinzurechnung rückgängig zu machen (§ 7g Abs. 4 Satz 1 EStG).

Die Frist

Sie endet mit dem dritten auf das Abzugsjahr folgenden Wirtschaftsjahr (§ 7g Abs. 3 Satz 1 EStG). Sie lässt sich nicht verlängern, auch nicht durch Umstände, die niemand zu vertreten hat.

Die günstigere Investition

Hinzugerechnet werden dürfen höchstens 50 Prozent der tatsächlichen Anschaffungskosten (§ 7g Abs. 2 Satz 1 EStG). Fällt die Investition kleiner aus als geplant, bleibt ein Rest des Abzugsbetrags stehen. Dieser Rest wird nach Ablauf der Frist rückgängig gemacht und verzinst. Ein zu hoch angesetzter Abzugsbetrag ist deshalb kein risikoloser Puffer.

Unsere Vollzugsbilanz 2025: vier Anlagen, vier Netzanschlüsse im selben Jahr

Die Drei-Jahres-Frist lässt sich nachlesen. Ob ein Projekt sie hält, lässt sich nicht nachlesen. Deshalb legen wir unsere eigenen Zahlen offen. Im Jahr 2025 hat Grötsch & Partner vier Freiflächenanlagen mit zusammen 33.500 kWp begleitet. Alle vier waren Projekte mit Investitionsabzugsbetrag, und alle vier gingen im selben Kalenderjahr ans Netz.

Anlage Leistung Baubeginn Netzanschluss Tage
PVA Falkenberg, Brandenburg 7.180 kWp Januar 2025 31.07.2025 197
PVA Heckhuscheid, Rheinland-Pfalz 17.767 kWp März 2025 17.11.2025 247
PVA Üttfeld, Rheinland-Pfalz 5.340 kWp Mai 2025 24.11.2025 193
PVA Rödinghausen, Nordrhein-Westfalen 3.213 kWp 06.10.2025 08.12.2025 63

Im Mittel lagen zwischen Baubeginn und Netzanschluss 175 Tage, im kürzesten Fall 63 Tage. Die Netzanschlusstermine sind tagesgenau belegt. Der Baubeginn ist bei Rödinghausen tagesgenau dokumentiert, bei den drei übrigen Anlagen monatsgenau. Für die Tagesangabe ist in diesen drei Fällen die Monatsmitte angesetzt.

Was diese Zahlen zeigen und was nicht: Sie zeigen, dass die reine Bauzeit einer Freiflächenanlage in dieser Größenordnung deutlich unter einem Jahr liegt und damit nicht der kritische Teil der Drei-Jahres-Frist ist. Der kritische Teil liegt davor, beim Netzverknüpfungspunkt, bei der Genehmigung und bei der Beschaffung der Komponenten.

Bilanz abgeschlossener Projekte, keine Zusage für ein künftiges

Fünf Punkte, die vor der Bildung eines Abzugsbetrags geklärt sein sollten

Der Gesetzgeber nennt die Frist. Ob ein konkretes Projekt sie realistisch einhält, sagt Ihnen niemand. Diese fünf Punkte entscheiden darüber, und sie lassen sich alle vor der Zeichnung prüfen.

Trafostation am Netzanschlusspunkt der Photovoltaikanlage Üttfeld mit gebündelten Erdkabeln auf dem Baufeld
  • Netzverknüpfungspunkt schriftlich zugesagt, nicht nur beantragt. Ein Antrag ist keine Zusage. Der Netzbetreiber benennt in der verbindlichen Zusage den Verknüpfungspunkt, die Spannungsebene und die Bedingungen. Ohne dieses Dokument steht der Termin für den Netzanschluss auf nichts.
  • Kapazität im Umspannwerk für den geplanten Anschlusstermin bestätigt. Eine Zusage zum Verknüpfungspunkt bedeutet nicht automatisch, dass zum gewünschten Zeitpunkt auch Kapazität frei ist. Fragen Sie nach dem bestätigten Anschlusstermin, nicht nach dem angestrebten.
  • Baugenehmigung bestandskräftig, Einspruchsfristen abgelaufen. Eine erteilte Genehmigung, gegen die noch Rechtsmittel laufen können, ist ein offener Posten. Bestandskraft heißt, dass die Fristen abgelaufen sind und niemand mehr angreifen kann.
  • Komponenten gesichert, Module und Wechselrichter verbindlich bestellt. Lieferzeiten für Wechselrichter und Transformatoren sind eine häufige Ursache für Terminverschiebungen im Bauablauf. Eine Reservierung ist keine Bestellung.
  • EPC-Vertrag mit Vertragsstrafe bei verspäteter Inbetriebnahme. Der Errichtungsvertrag ist die einzige Stelle, an der sich ein Terminrisiko wirtschaftlich absichern lässt. Fehlt dort eine Sanktion, trägt das Risiko allein der Investor.

Diese fünf Punkte sind eine Projektprüfung, keine steuerliche Prüfung. Die steuerliche Seite bleibt bei Ihrem Steuerberater.

Auf den Punkt

Bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten lassen sich vor der Investition abziehen (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG).

Die Gewinngrenze im Abzugsjahr beträgt 200.000 Euro und wird ohne den Abzugsbetrag gerechnet (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG).

Der Höchstbetrag von 200.000 Euro gilt je Betrieb und als Summe über vier Wirtschaftsjahre (§ 7g Abs. 1 Satz 4 EStG).

Für die Investition bleiben drei Wirtschaftsjahre nach dem Abzugsjahr (§ 7g Abs. 3 Satz 1 EStG).

Die Anlage muss bis zum Ende des auf die Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahres im Betrieb genutzt oder vermietet werden (§ 7g Abs. 1 Satz 1 und Abs. 4 Satz 1 EStG).

Zusätzlich sind bis zu 40 Prozent Sonderabschreibung möglich, verteilbar auf fünf Jahre (§ 7g Abs. 5 EStG).

Wird nicht investiert, beträgt der Zinssatz 1,8 Prozent im Jahr, und der Zinslauf beginnt 15 Monate nach dem Abzugsjahr (§ 238 Abs. 1a AO, § 7g Abs. 3 Satz 4 EStG).

Freiflächenanlagen sind von der Steuerbefreiung für kleine Photovoltaikanlagen nicht erfasst, weil diese an ein Gebäude gebunden ist (§ 3 Nr. 72 EStG, BMF-Schreiben vom 17. Juli 2023).

Häufige Fragen

Der Investitionsabzugsbetrag wird rückwirkend im Jahr der Bildung aufgelöst. Das Finanzamt ändert den Steuerbescheid, die Nachzahlung wird fällig und verzinst. Der Zinslauf beginnt bei § 7g EStG abweichend vom Normalfall bereits 15 Monate nach Ablauf des Abzugsjahres, weil § 233a Abs. 2a AO ausdrücklich nicht anzuwenden ist (§ 7g Abs. 3 Satz 4 EStG).

Ja, und das ist auch gut so. Ob und in welcher Höhe Sie einen Investitionsabzugsbetrag bilden können, hängt von Ihren persönlichen und betrieblichen Verhältnissen ab. Diese Beurteilung ist Steuerberaterinnen und Steuerberatern vorbehalten. Wir liefern die Anlagendaten, Ihr Steuerberater beurteilt Ihre Situation.

Weder noch. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Anschaffung, und als solcher gilt der Zeitpunkt der Lieferung. Umfasst der Kaufvertrag auch die Montage durch den Verkäufer, ist erst mit Beendigung der Montage geliefert (§ 9a EStDV). Bei einer schlüsselfertigen Freiflächenanlage hängt der Stichtag damit am Bauablauf. Welches Ereignis in Ihrem Vertrag die Lieferung auslöst, sollten Sie sich vor der Zeichnung zeigen lassen.

So oft Sie wollen, aber nicht in unbegrenzter Höhe. Die Summe aller noch offenen Abzugsbeträge aus dem laufenden und den drei vorangegangenen Wirtschaftsjahren darf je Betrieb 200.000 Euro nicht übersteigen (§ 7g Abs. 1 Satz 4 EStG). Das ist kein Jahresbetrag, sondern ein rollierender Deckel über vier Wirtschaftsjahre.

Das Gesetz verlangt keine Benennung des konkreten Wirtschaftsguts und keine Funktionsbeschreibung mehr. Es verlangt die Übermittlung der Summen der Abzugs- und Hinzurechnungsbeträge, nach Betrieben getrennt und elektronisch (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 EStG). Das Wirtschaftsgut muss allerdings abnutzbar, beweglich und Anlagevermögen sein (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG).

Ja. Die Rechtsfolge ist dieselbe wie beim Fristablauf: Der Steuerbescheid des Abzugsjahres wird geändert, und zwar auch dann, wenn er bestandskräftig ist (§ 7g Abs. 3 Satz 2 und 3 EStG). Den Zinslauf verkürzt eine frühe Auflösung nicht, weil er ohnehin 15 Monate nach Ablauf des Abzugsjahres beginnt (§ 233a Abs. 2 Satz 1 AO). Sie schafft aber Planungssicherheit.

Dann fällt die Begünstigung rückwirkend weg. Das Wirtschaftsgut muss bis zum Ende des auf die Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahres im Betrieb genutzt oder vermietet werden. Andernfalls sind Abzug, Herabsetzung der Anschaffungskosten und Hinzurechnung rückgängig zu machen (§ 7g Abs. 4 Satz 1 EStG). Praktisch heißt das: Die Anlage muss über den Jahreswechsel nach der Anschaffung hinaus im Betrieb bleiben.

Das ist der Wortlaut des Gesetzes (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG). Eine Prozentzahl steht dort nicht. Wie die Schwelle im Einzelfall zu bemessen ist, ist derzeit Gegenstand eines Revisionsverfahrens beim Bundesfinanzhof, Aktenzeichen III R 39/25, Vorinstanz Hessisches Finanzgericht vom 22. Oktober 2025, Aktenzeichen 10 K 162/24. Halten Sie die Nutzungsquote deshalb von Anfang an nachvollziehbar fest und besprechen Sie sie mit Ihrem Steuerberater.

Nein. Abzugsbeträge, die in nach dem 31. Dezember 2020 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen wurden, können nicht für Investitionen verwendet werden, die zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme bereits angeschafft oder hergestellt waren (§ 7g Abs. 2 EStG). Der Abzug muss vor der Investition stehen.

Das Gesetz verlangt ein abnutzbares bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG). Es verlangt nicht, dass es neu ist. Dasselbe gilt für die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG.

Der Abzugsbetrag wirkt vor der Investition und nimmt bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten vorweg (§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG). Die Sonderabschreibung wirkt nach der Investition und beträgt bis zu 40 Prozent der tatsächlichen Anschaffungskosten, verteilbar auf fünf Jahre (§ 7g Abs. 5 EStG). Beide lassen sich nebeneinander nutzen, haben aber unterschiedliche Voraussetzungen. Die Gewinngrenze der Sonderabschreibung bezieht sich auf das Jahr vor der Anschaffung (§ 7g Abs. 6 Nr. 1 EStG).

Rechtsstand: 10. August 2026.

Quellen dieses Beitrags: § 7g EStG, § 3 Nr. 72 EStG, § 7 Abs. 2 EStG, § 9a EStDV, § 12 Abs. 3 UStG, § 15 UStG, § 233a AO, § 238 AO, Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 17. Juli 2023, Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 15. Oktober 2024, Aktenzeichen III B 24/24. Die Angaben zu unseren eigenen Projekten stammen aus den Bautenstandsberichten und den Netzanschlussbestätigungen der jeweiligen Anlage.

Martin Grötsch, Gründer von Grötsch und PartnerAutor: Martin Grötsch, Gründer von Grötsch & Partner. Inhaltlich verantwortlich nach § 18 Abs. 2 MStV: [Name und Anschrift eintragen].

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den allgemeinen Regelungsgehalt der genannten Vorschriften wieder. Er ist keine steuerliche Beratung und ersetzt sie nicht. Grötsch & Partner ist Vermittler von Photovoltaik-Freiflächenanlagen und keine Steuerberatungsgesellschaft. Ob und in welcher Höhe Sie einen Investitionsabzugsbetrag bilden können, beurteilt allein Ihr Steuerberater.

Änderungsprotokoll: 10.08.2026, Erstveröffentlichung.


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